Projekt push & pull

Projekt push & pull

Das Projekt wurde im Jahr 2008 gestartet. In Zusammenarbeit mit Streetwork Fulda (Jugendamt der Stadt Fulda), Studenten der Hochschule Fulda und gefördert durch die „Aktion Mensch“ hatte der DAFKS KONTAKT Fulda im Jahr 2008 und 2009 das Projekt „push & pull“ ins Leben gerufen und durchgeführt. Das Projekt ist weit über die Grenzen Fuldas hinaus positiv bekannt geworden. Die Frankfurter Rundschau berichtete auf einer ganzen Seite, der Radiosender „Deutschlandfunk“ berichtete darüber, und in der Fuldaer Presse wurde darüber berichtet.

Push & Pull

“Facing History – Facing Ourselves“

Frauen und Jugendliche erschließen ihren Sozialraum in der ehemaligen US- Kaserne 

Themenschwerpunkte: Integration, Chancengleichheit, Partizipation, Bildung, Sozialraumarbeit

Hintergrund zum Projekt:

Bis zum Jahre 1993/1994 waren in Fulda viele tausend US-amerikanische Soldaten stationiert. Nach dem Abzug der NATO-Truppen entstand auf dem Gelände der Downs- Barracks, dem amerikanischen Kasernengelände, ein neuer Stadtteil Fulda-Münsterfeld. Überwiegend Menschen mit Migrationshintergrund aus eher ärmeren Gesellschaftsschichten siedelten sich dort an. Es gab große, günstige Wohnungen für kinderreiche Familien. Der Stadtteil ist seit längerem ein sozialer Brennpunkt. Wer dort lebt wird stigmatisiert: „Du lebst in einer Ausländergegend“, „Du lebst in der Kaserne.“ Die stigmatisierende Zuschreibung bestimmt den Alltag der dort lebenden Jugendlichen.

Im Stadtteil gibt es keine Lebensmittelgeschäfte, keine Gaststätte, keine Infrastruktur für den täglichen Bedarf. Auch sind geringe attraktive Angebote für die Jugendlichen vorhanden oder die wenigen Angebote, beispielsweise sportliche Aktivitäten im Verein, werden nicht wahrgenommen.

Im Stadtteil gibt es nur eine Schule, eine Sonderschule, die im ehemaligen Gebäude der amerikanischen Schule beheimatet ist. Dort wunderten sich Schüler, dass an einer deutschen Schule an den Ein- und Ausgängen eine englische Beschriftung, „push“ und „pull“, angebracht ist. Die Schulsozialarbeiterin erklärte hierzu, dass dies mit der Geschichte des Stadtteils zu tun habe, und verwies auf die Besatzungsgeschichte des Stadtteils Münsterfeld durch die Amerikaner. Hier wurde der Bedarf an geschichtlicher Auseinandersetzung deutlich. Denn die Auseinandersetzung mit der individuellen Lebenswelt bedeutet auch die Auseinandersetzung mit sich selbst.

Ausgehend von diesen Türschildern haben wir das Projekt „push & pull“ ins Leben gerufen. Wir haben mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Stadtteil zur Erschließung des Sozialraumes eine Spurensuche durchgeführt:

Warum gibt es englischsprachige Türschilder?
  • Wer hat den Stadtteil gebaut und vorher genutzt?
  • Welchen Einfluss hatten die Amerikaner auf den Stadtteil?
  • Welchen Einfluss hatten die Amerikaner im Bundesland Hessen?
  • Welchen Einfluss hatten die Amerikaner auf unsere Bundeshauptstadt Berlin?
  • Gleichzeitig wollten wir mit der Zielgruppe untersuchen, welchen Einfluss die US-amerikanische Kultur auf ihr jetziges Leben hat (Musikstil, Mode, Kino und Fernsehen, Freizeitverhalten, Essgewohnheiten etc.
Projektziel:

Das Projekt “Push & Pull“ sollte benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Frauen die Möglichkeit geben, ihren eigenen Sozialraum und den Sozialraum ihres Stadtteils Schritt für Schritt zu erschließen.

  • In Form von sozialer Gruppenarbeit zur Vorbereitung und Durchführung der Aktivitäten sollten die Kinder, Jugendlichen und Frauen lernen ein Projekt selbstständig zu planen und zu organisieren.
  • Integraler Bestandteil des Projekts war die Einbindung verschiedener Kooperationspartner und Netzwerke, die im Stadtteil angesiedelt sind.
  • Das Projekt sollte einen Betrag zur außerschulischen Bildung leisten und Jugendliche sowie Frauen dazu befähigen sich aktiv mit ihrem Lebensumfeld zu befassen.
  • In einem ganzheitlichen Konzept sollte das Projekt verstärkt die Eltern der Kinder und Jugendlichen einbeziehen und in regelmäßigen Abständen attraktive Angebote machen.
  • Im Sinne des Konzepts des Empowerment setzte das Projekt nicht bei Defiziten, sondern bei den Stärken der Jugendlichen und Frauen an. Das Projekt schaffte hierfür die notwendigen Rahmenbedingungen. (Vermittlung von Erfolgserlebnissen, Stärkung des Selbstvertrauens).
  • Das Projekt hat Impulse geben und durch eine verstärke Öffentlichkeitsarbeit auf infrastrukturelle Problemlagen aufmerksam gemacht.
Engagement von Freiwilligen:

Das Projekt wurde von rund 25 Mitgliedern des DAFKS KONTAKT Fulda, Streetwork Fulda und Studenten der Hochschule Fulda (Studienschwerpunkt: Sozialraumarbeit und Lebensweltorientierung) betreut.

Projektumsetzung:

Errichtung einer mobilen Begegnungsstätte - Hamburgerparty

In rund 20 Veranstaltungen in den Jahren 2008 und 2009 wurde eine mobile Begegnungsstätte im Stadtteil Fulda-Münsterfeld eingerichtet, die als Treffpunkt dazu eingeladen hat, in einer lockeren Atmosphäre mit den Jugendlichen und Frauen, aber auch mit Familien ins Gespräch zu kommen und sie zu dem Projekt anzuwerben. Hierzu wurden Hamburger angeboten. Die mobile Hamburgerbude des DAFKS und verschiedene Spielangebote wurden seit der Eröffnungsveranstaltung regelmäßig freitagabends direkt im Wohngebiet aufgebaut. Ziel war es hierbei regelmäßig Kontakt zu der Zielgruppe aufzunehmen. Wir wollten mit dieser Maßnahme das Eis brechen. Wir haben das geschafft. Bevor wir diese Veranstaltungen angeboten haben, gab es so gut wie keine Kommunikation zwischen den Bewohnern des Stadtteils. Mittlerweile gibt es diese Kommunikation mindestens bei unseren Veranstaltungen, an der regelmäßig mehr als 150 Teilnehmer mitmachen. Der Hauptanteil davon waren und sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie Frauen und ganze Familien. Ziel war und ist es auch, die Frauen in die Arbeit mit einzubinden. Auch das haben wir geschafft, die Frauen haben nach den ersten vier Veranstaltungen mitgeholfen - bei den Spielen für die Kinder und bei der Zubereitung der Hamburger etc.

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